Herzlich Willkommen bei der Naturschutzgruppe Mettmenstetten

 

Unsere Anliegen sind:

 

  • Die Pflege und Entwicklung von Naturschutzobjekten  
  • Die Information zu Naturschutzanliegen
  • Unterstützung der Gemeinde in Naturschutzanliegen

 

Sie sind willkommen im Verein! Falls Sie beitreten möchten: unter Verein > Beitritt finden Sie das Anmeldeformular. Wenn Sie noch unschlüssig sind: besuchen Sie den öffentlichen Vortrag im Anschluss an die Generalversammlung (gewöhnlich im April), oder helfen Sie unverbindlich im Herbst (Ende Oktober/Anfangs November) bei der Pflege eines unseres Naturschutzgebietes mit, um uns kennen zu lernen. Informationen finden Sie im rechten Rand unter Aktuell.

Bericht - 2. Februar 2019, Ausstellung Wolf im Natur-Museum Luzern

2018 Luzern-Flyer Ausstellung Wolf-S1-Auge-smallBesuch der Ausstellung «Wolf» im Natur-Museum Luzern

Die Sonderausstellung im Natur-Museum zum Thema «Wolf» ist eigentlich eine Kombination von zwei Ausstellungen: «Der Wolf. Wieder unter uns.» des Naturmuseums Freiburg, und «Der Wolf ist da. Eine Menschenausstellung» des Alpinen Museums in Bern. An Aktualität ist das Thema kaum zu überbieten: «Wolf läuft BLICK-Leser über den Weg» titelte der Blick in (für den Blick normalgrossen) Lettern, nachdem am Dienstag, 16. Oktober in Aeugst am Albis ein Wolf gesichtet wurde.

 

In der Zwischenzeit wird sogar von Sichtungen aus Mettmenstetten berichtet, wobei ähnlich wie das vom Nessie bekannt ist, leider noch keine eindeutigen und scharfen Fotos erstellt werden konnten. Genau das war ein Schwerpunkt, den die Museumspädagogin Anna Poncet vom Natur-Museum der interessierten, bunt durchmischten Schar der Naturschutzgruppe Mettmenstetten und deren Natur-Detektiven näher brachte. Am Beispiel eines rhetorisch nicht ganz überzeugenden Votums eines anonym bleiben sollenden ehemaligen Zürcher Ständerates zeigte sie, wie die Bevölkerung subjektiv ganz unterschiedlich aufs Thema «Wolf» reagiert, sobald eine Sichtung im eigenen Wohnumfeld erfolgt ist.

 

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Eine überraschend grosse Schar der NSGM nahm am Besuch der Ausstellung «Wolf» teil. 

Anna Poncet erklärt anhand zweier präparierter Tiere die unterschiedliche Wahrnehmung des Wolfs in der Bevölkerung. Im Vordergrund das modern präparierte Tier.

Das Raubtiergebiss eines Wolfs hat lange Fangzähne vorn und starke Reisszähne hinten. Im Gegensatz zu Wiederkäuern greifen die Reisszähne nicht ineinander sondern funktionieren wie eine Schere.

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Das Wolfsfell ist ein perfekter Isolator für den Körper. Wölfe kriechen nicht in Höhlen, machen auch keinen Winterschlaf, und sind somit auf ein warmes Fell angewiesen.

Interaktive Komponenten der Ausstellung erlauben es, die eigene Sichtweise mit einzubringen. Die meisten sind happy, dass der Wolf zurück ist in der Schweiz. Einige finden das trotzdem ein Problem.

Akkustisch und visuell können die Kinder ihre persönliche Beziehung zum Wolf an die Bretterwand nageln. Zum Glück erst, nachdem Anna Poncet ihre interessanten Ausführungen beenden konnte.

 

Anna Poncet zeigte anhand der Ausstellungsobjekte auch die Veränderung der Wahrnehmung des Wolfs in den letzten 200 Jahren. Eines der ältesten Präparate des Wolfes, das für die Ausstellung verwendet werden konnte, zeigt den Wolf «ausgestopft» mit bösartiger Mine, was zur Wahrnehmung des Wolfes vor 200 Jahren passte. Das zweite, moderne Exemplar war nach neusten Erkenntnissen nicht mehr ausgestopft sondern «präpariert» worden, mit neutralem Gesichtsausdruck, so wie man in der Verhaltensforschung die Ausdrucksformen des Wolfs heute interpretiert.

 

Die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Wolfs – also die Wahrscheinlichkeit, ein Lebensjahr erfolgreich zu überleben – war vor zweihundert Jahren nur etwa 20%, heute hingegen gut 50% (im Wallis tiefer). Dass der Wolf überhaupt wieder aus den Apenninen in die Schweiz zurückwandern konnte hatte massgeblich mit der Wiederausbreitung des Waldes zu tun. Anna Poncet erwähnte die Bedeutung des Eisenbahnbaus in der Schweiz: noch vor das weltweit erstmalige Forstgesetz 1876 in Kraft gesetzt wurde führte das Aufkommen der Eisenbahn und deren grossen Bedarfs an Kohle zu einer massiven Vergünstigung des Brennstoffs Kohle auch für Privathaushalte. Dadurch stellten viele Haushalte und Unternehmen von Holzfeuerung auf Kohlefeuerungen um, was die übernutzten Wälder der Schweiz massiv entlastete. So ist die Waldfläche heute fast doppelt so gross wie Mitte 19. Jahrhundert bevor das Forstgesetzt in Kraft trat und die nachhaltige Nutzung der Ressource Holz endlich begann.

 

Zwar leben auch in der Schweiz Wölfe in Rudeln, wobei es sich hier um Familienverbände mit den Eltern und ihrem Nachwuchs des aktuellen und vorangehenden Jahres handelt. Grosse Wolfsrudel wie in arktischen Norden gibt es hingegen nicht, und entsprechend klein ist die Gefahr in der Schweiz von einem mitgliedstarken und somit gefährlichen Rudel umzingelt zu werden. Der Wolf in der Schweiz trifft eher als scheuer Einzelgänger auf Menschen. Da er in der Natur keine Feinde hat – einzig der Braunbär ist mächtig genug und stiehlt ihm als so genannter «Kleptoparasit» in freier Wildbahn gelegentlich die Beute weg – zeigt er kein ausgeprägtes Fluchtverhalten, wenn er von Menschen überrascht wird. Im Gegensatz zu anderen Wildtieren ist der Wolf offensichtlich intelligent genug, um vielbefahrene Strassen und Autobahnen zu überqueren. Auch das Überqueren der Eisenbahnschienen scheint häufig zu gelingen, wenn auch nicht immer, wie der bei Schlieren von der Bahn überfahrene Wolf gezeigt hat. Dies war die erste und gleichzeitig überraschende Sichtung eines Wolfs im Kanton Zürich.

 

Anna Poncet stellte auch fest, dass der Wolf heute ähnlich den Stadtfüchsen eine Anpassung an den Menschen und seine Umgebung entwickelt hat, die ein einvernehmliches Zusammenleben ermöglichen würden. Allerdings sind sich viele Leute der Gefahr und Probleme nicht bewusst, wenn sie junge Wölfe anfüttern oder mit liegengelassenen Essensresten Wölfe in die Siedlungen locken. Mit drei Rudeln in der Schweiz (zwei am Calanda, das dritte im Valle Morrobia östlich von Bellinzona) dürfte der Wolf in der Schweiz nun in die exponentielle Wachstumsphase gekommen sein, so dass in den kommenden Jahren mit häufigeren Sichtungen und mehr – hoffentlich problemlosen – Interaktionen mit Menschen und deren Nutztieren zu rechnen ist.

 

Text und Fotos: Werner Eugster
Foto Wolfsauge: Natur-Museum Luzern

Die Ausstellung ist noch bis 28. April 2019 offen. Informationen dazu hier.