2013, 25.05. - Vogelkurs

Exkursion Vögel im Feuchtgebiet

Les absents ont toujours tort, heisst es, und genau so war es auch auf der Feuchtgebiets-Exkursion: diejenigen, die sich trotz frischer Witterung frühmorgens aufgerafft haben, ins Maschwanderried zu pirschen, wurden belohnt. Leider gehörte ich nicht zu diesen Glücklichen, nicht weil ich das warme Federbett nicht hätte verlassen können, sondern weil mich nicht-ornithologische Pflichten an der Teilnahme gehindert haben.

 

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Gute Laune trotz Regenwetter (links, mitte); bei Schönwetter wärs aber sicher idyllischer (rechts). 

Bilder: Andrea Funk (links, Mitte) / Bettina Hüser

 

 

Entsprechend überschwänglich schwarmen die Dabeigewesenen von den Highlights, die ich verpasst habe. Eine Sumpfohreule sei gesichtet worden, mitten im Ried, auf einem Pfahl sitzend - die Foto unten rechts aus dem Internet zeigt eine ähnliche Situation. Aber wo sind denn da die Sumpfohren? Und was sind genau die Sumpfohren? Um sicher zu sein, dass mir meine KollegInnen nicht einen Bären - oder eben eine Sumpfohreule - aufbinden, konsultierte ich vorsichtshalber mein schlaues Buch "Die Vögel der Schweiz". Und tatsächlich: die Sumpfohreule hat im Gegensatz zur Waldohreule nur rudimentäre Federohren; also keine Sumpfohren, aber immerhin!

 

Braunkehlchen-600x450 Schwarzkehlchen-600x450 Sumpfohreule-600x450

Die Highlights im Maschwander Ried: Braunkehlchen (links), Schwarzkehlchen (Mitte) und Sumpfohreule (rechts). 

Bilder: alle aus dem Internet: primaTyp / Frank Mielke / Detlef Voß

 

 

Bei den anderen beiden Highlights, dem Braunkehlchen und dem Schwarzkehlchen, ist mir die Namengebung eher zugänglich als bei der Sumpohreule ohne Sumpfohren, die mich schon etwas an Mani Matters "Sandwich" erinnert (was isch es Sandwich ohni Fleisch - isch nüt als Brot), mit dem Unterschied dass die Sumpfohreule eine echte Rarität ist, nicht nur im Reusstal, während das Sandwich ohne Fleisch diesem Anspruch natürlich nicht genügt.

 

Das Braunkehlchen leidet unter einem massiven Bestandesrückgang, der bereits in den 1930er Jahren begonnen hat und sich seit den 1950er Jahren zusätzlich verstärkt hat, wie mein schlaues Buch zu berichten weiss. Schön, dass immerhin im Maschwanderried noch Lebensraum für die seltene Vogelart existiert.

 

Das Schwarzkehlchen war nie ein häufiger Vogel in der Schweiz. Es bevorzugt warme und trockene Gebiete, und da staunt der Laie: wie kommt es, dass die Frostharten unseres Kurses ein Schwarzkehlchen in feuchter und kalter Umgebung antreffen konnten? Es scheint noch ein "Sibirisches Schwarzkehlchen" zu geben - das tönt schon passender, aber das wäre nicht nur eine Rarität, sondern eine Sensation. Zum Glück versuchte niemand, mir so einen Bären aufzubinden. Auf jeden Fall steht fest: nächstes Mal bin auch ich wieder dabei, und seis bei Regen und Schnee im Juni!

 

Werner Eugster