2013, 08.06. - Vogelkurs

Exkursion Vögel im Kulturland

Zum Abschluss der Exkursionsserie im Rahmen des Ornithologischen Grundkurses zeigte sich das Wetter endlich von seiner besten Seite, sonnig und warm, so dass zum Beispiel Enikö ihre Khumbu Icefall Daunenjacke schon nach kurzer Zeit wieder in den Rucksack stopfen konnte.

 

Wir starteten wie bei der ersten Exkursion beim Forain-Weiher, mussten aber feststellen, dass um 7 Uhr im Juni die Vögel schon längst an der Arbeit sind und kaum mehr Zeit für einen Singsang finden. Sehr eifrig schleppten die Stare Insekten zum Brutloch in der Pappel beim Weiher, und wir wunderten uns, wie ein Star zig Insekten in den Schnabel bringt, wohl immer eines zusätzlich, ohne dass die bereits gesammelten wieder aus dem Schnabel fallen. Da muss irgend ein Trick dahinter stecken, den wir Fluguntauglichen nicht ganz durchschauen.

 

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Kulturland um Mettmenstetten: trotz vorhandener Strukturen ist die Vogelwelt in der intensiv bewirtschafteten Gebiet recht artenarm (links). Die Unterscheidung von Rotmilan und Mäusebussard beherrschen vermutlich jetzt alle (Mitte). Rechts: Die Goldammer ist in Andrea verliebt und singt "Oh, wie hab ich dich liiiiiiiiib!". 

Bilder: Werner Eugster 

 

 

DIe Artenvielfalt, die wir bestauen konnten, war gerade richtig für einen Grundkurs, wir wurden nicht allzu stark überfordert. Aber das zeigte uns auch deutlich, dass die Landschaft um Mettmenstetten zwar durchaus einigen Strukturreichtum hat, aber zwischen Hecken und Wegrändern doch praktisch ausschliesslich intensivst bewirtschaftete Wiesen mit wenig Futterangebot für die Vogelwelt existiert. Trotzem konnten wir unser Auge mehr und mehr schulen, bis wir auch eine Besonderheit am Himmel entdeckten: einen Wespenbussard. Die Sichtung war aber einigermassen kurz, so dass sich Karin Feller nicht auf die Äste hinauslassen wollte und uns die Vorstellung einer hellen Morphe eines Mäusebussards schmackhaft machte.

 

Glücklicherweise gelang einem mir bekannten Exkursionsteilnehmer eine Foto, die qualitativ doch geringfügig besser als die bekannten Fotos des Monsters vom Loch Ness war und einigermassen deutlich die charakteristischen dunklen Bänder am Schwanz des Wespenbussards zeigte.

 

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Das Highlight im Kulturland: Wespensbussard, wie wir ihn ablichten konnten (links), und wies ein Profi machen würde (Mitte). Und die nächste Stufe: die Profi-Ornithologin sieht nicht nur, sonder sie hört auch (rechts). 

Bilder: Werner Eugster / Thomas Th. / Werner Eugster

 

 

Anhand dieser Merkmale konnte uns Karin schliesslich überzeugen, dass wir doch noch ein Highlight gesehen hatten. Wespenbussarde sind nicht sehr häufig als Brutvögel in der Schweiz, aber doch regelmässig als Durchzügler zu sehen. Wenn man die Anzahl Brutpaare in der Schweiz mit den Brutpaaren des Mäusebussards vergleicht, so gibts gemäss "Vögel der Schweiz" auf 50 Mäusebussard-Paare ein Wespenbussard-Paar. Und die Hälfte von diesem Paar haben wir gesehen! Übrigens gehören die beiden Arten nicht in die gleiche Gattung, darum ist es unwahrscheinlich, dass es sich um eine Kreuzung gehandelt haben könnte.

 

An dieser Stelle möchte ich sicher mit Unterstützung aller Kursteilnehmer den Leiterinnen Andrea Funk, Lesly Helbling (heute berufshalber abwesend) und Karin Feller herzlich für die interessanten Exkursionen danken. Wir haben den Kurs sehr genossen und viel gelernt, und der Enthusiasmus der drei Spezialistinnen hat uns selber mitgerissen.

 

Werner Eugster