2013, 28.09. – Herbstexkursion

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Raren Obstsorten auf der Spur

Die Herbstexkursion führte die Naturschutzgruppe Mettmenstetten nach Knonau, zu einem Kleinod rarer Obstsorten.

 

Ausdauer muss haben, wer durchs Säuliamt radelt und dabei an 101 verschiedenen Sorten von Stein- und Kernobstbäumen vorbeifahren will. Es sei denn, man fährt zum Biohof Margel in Knonau, einem Pionierbetrieb, der in Zusammenarbeit mit ProSpecieRara eine Erhaltungspflanzung seltener Obstsorten betreibt, eine so genannte Primärsammlung. Die Naturschutzgruppe Mettmenstetten besuchte auf ihrer Herbstexkursion den innovativen Betrieb, der von Kathrin Frei-Boerlin geführt wird, um sich in diesen Aspekt der Biodiversität einweihen zu lassen, nämlich die Erhaltung genetischer Vielfalt.

 

Beginn vor 10 Jahren

 

Seit 2003 wird eine Hochstamm-Obstsortensammlung aufgebaut, wobei jede zu erhaltende Sorte auf zwei Bäumen veredelt wurde. Darunter finden sich die Sorten von 46 Äpfeln, 35 Birnen, 12 Kirschen und 8 Zwetschgen. Die Auswahl der Sorten wurde dem Betrieb von ProSpecieRara und der Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK) vorgegeben, während der Biohof Margel für die Betreuung und Pflege der Obstsortensammlung verantwortlich ist. Die Bäume werden nach biologischen Richtlinien gepflegt, müssen gegen Schädlinge gespritzt und fachgerecht geschnitten werden. Einige Sorten erweisen sich als leicht zu pflegen, während andere Sorgen bereiten. Durch den feuchten Vorsommer haben zum Beispiel praktisch alle Kirschen bereits die mit Pilzen befallenen Blätter verloren, während die Apfelbäume noch prächtig im Laub stehen.

 

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Interessierte Besucher Interessante Früchte Interessante Informationen

 

Erste Früchte können geerntet werden

 

Erstmals seit Beginn der Pflanzung haben einige Bäume dieses Jahr Früchte getragen, welche die rund 20-köpfige Teilnehmerschar anschliessend an die interessante und lehrreiche Führung degustieren durfte. Während der saure „Zürichapfel“ jedem die letzten Öffnungen zusammenzog überzeugte gerade der „Erdbeerapfel Giswil“ mit seinem milden, süssen und – wie der Name treffend sagt – nach Erdbeeren erinnerndem Aroma. Die Leiterin der Sammlung erklärte, dass es nicht in erster Linie darum gehe, wohlschmeckende Sorten zu erhalten, sondern möglichst viele unterschiedliche, da man davon ausgehe, dass sich die eine oder andere Sorte, die heute keinen Markt finden würde, eventuell bestens an ein verändertes Klima anpassen könne und in Zukunft einmal wertvoll werden dürfte.

 

Wichtig für kommende Generationen

 

Auch als genetisches Grundmaterial für spätere Züchtungen und Kreuzungen dürften die so erhaltenen Sorten den kommenden Generationen dienen. Die neugierigen Besucher aus Mettmenstetten erfreuten sich an den unterschiedlichen kulinarischen Erlebnissen beim Degustieren der Obstsorten. Und manch einer war überrascht ob der Vielfalt der Geschmacksrichtungen, welche die bereits fruchtenden 19 Obstsorten der Sammlung Margel hervorbrachten. Interessant war der Hinweis von Kathrin Frei-Boerlin, dass einige Sorten in der Sammlung noch gar nie beschrieben worden sind, und andere wiederum ganz anders schmecken als was die Datensammlung behauptet. Mit jeder neu fruchtenden Sorte steigt somit auf dem Biohof Margel die Spannung, was für eine Überraschung im gross angelegten Obstgarten auf seine Entdeckung wartet.

 

Werner Eugster