Bericht - 21. April 2018, Exkursion an die WSL

20180421-0124Exkursion an die WSL

Das Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ist vielen Leuten im Säuliamt ein Begriff. Was die Forscherinnen und Forscher am WSL aber genau machen, ist den allermeisten unbekannt. Die Naturschutzgruppe erhielt auf ihrer Exkursion einen interessanten Einblick in die langfristige Waldökosystemforschung (LWF) und die Modell-Ökosysteme, in denen unter kontrollierten Bedingungen Experimente mit ausgewählten Baumarten durchgeführt werden.

 

 

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Dr. Marcus Schaub und Prof. Dr. Arthur Gessler erklärten auf kurzweilige, kompetente und engagierte Art die Forschung an den LWF-Standorten und im LWF-Testgelände.

 

   

Marcus Schaub erklärt die grundsätzliche Herausforderung der Waldökosystemforschung: das Alter eines Baumes übertrifft das Alter eines Menschen bei Weitem, und darum brauchen Förster eine sehr langfristige Sicht. Was sie heute im Wald machen, wir erst die übernächste Generation oder noch später als Erfolg oder Misserfolg gewertet werden können. Ein Baum braucht etwa 80 Jahre bis zur Erntereife. In dieser Zeit kann sich das Marktumfeld grundsätzlich ändern. Und zusätzlich kommt heute noch die Frage der Klimaänderung hinzu, auf welche die Forstwirtschaft reagieren muss. Ein wichtiger Teil der langfristigen Waldökosystemforschung (LWF) hat mit dem Waldsterben begonnen. Arthur Gessler betont, dass durch diese Erkenntnisse Grossemittenten in Industrie und Gewerbe erfolgreich saniert wurden und heute viel weniger Stickstoff und Schwefel an die Atmosphäre abgeben. Die Luft ist heute viel sauberer als noch vor 30 Jahren.

 

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Die Digitalisierung macht nicht Halt vor dem Wald: immer mehr Messungen in immer höherer zeitlicher Auflösung sollten wenn möglich in Echtzeit verfügbar sein, auch von entfernten LWF-Standorten. 

Inga und Jürg Bucher, pensionierte WSL-Forscher, interessieren sich für die neusten Entwicklungen, z.B. Informationen und aktuelle Messdaten, die über iPads direkt im Wald abrufbar sind.

Zum Teil unbekannte Sensoren – hier zwei Präzisions-Punktdendrometer – messen alle interessierenden Grössen eines Baumes. Das Punktdendrometer misst den Stammdurchmesser alle 10 Minuten in Mikrometerauflösung und gibts so wertvolle Informationen  zum Wasserhaushalt des Baums und dessen Wachsum.

 

DIe Installation einer LWF-Testfläche erlaubt es dem WSL, Besucher vor Ort die moderne Forschungsinfrastruktur zu zeigen. Dabei macht die Digitalisierung nicht Halt vor dem Wald: immer mehr Messungen in immer höherer zeitlicher Auflösung sollten wenn möglich in Echtzeit verfügbar sein, auch von entfernten LWF-Standorten. Gleichzeitig kann in der LWF-Testfläche mit neuen Messgeräten und Messmethoden experimentiert werden. Als Arthur Gessler auf sein neustes Projekt zu sprechen kommt, läuft er zu Höchstform auf und erklärt die komplizierte Geschichte mit den unterschiedlich schweren Wasserisotopen, anhand derer man berechnen kann, aus welcher Tiefe die Bäume ihr Wasser aufnehmen, in verständlichen Worten, die zu etlichen Aha-Erlebnissen führte. Zwar sah man erst die vielen blauen Schläuche, die A via B mit C verbanden, und manche Exkursionsteilnehmerin meinte: ich wusste gar nicht, dass es verschieden schweres Wasser gibt, interessant!

 

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Leonie Schönbeck, Doktorandin an der WSL, erklärt ihre ersten Ergebnisse aus den Modellökosystem-Versuchen mit simuliertem Trockenstress bei Eiche und Föhre. Interessant: die wassergestressten Bäume haben nach anschliessender Bewässerung mehr Wachstum gezeigt als die Bäume, die immer genügend gewässert wurden. Genau wie bei einer Diät, meinte Marie-Louise mit vorgehaltener Hand ...

Die Treibhäuser der Modell-Ökosysteme erlauben es, Bäume bis zur Strauchgrösse wachsen zu lassen bei mehrjährigen Versuchen. Dabei können die Temperatur, Feuchtigkeit, Wasserangebot und andere Umweltbedingungen gezielt simuliert werden, zum Beispiel um zu erforschen, wie die verschiedenen Baumarten auf den Klimawandel reagieren.

Leonie's Eichen sind noch da, die Föhren wurden aber schon geerntet und analysiert. Die Dimensionen dieser Modell-Ökosystemkammern sind beeindruckend.

 

 

Bei den Modellökosystemen informierte Leonie Schönbeck, Doktorandin am WSL aus erster Hand, was sie untersucht hat und wieso die Föhren in den grossen Treibhäusern auf dem WSL-Gelände bereits weg sind, während die Eichen noch auf ihre Ernte warten. Sie hat vier verschiedene Trockenheitsstufen im Experiment verwendet. Während bei grösster Trockenheit nicht mehr alle Bäumchen überlebten, erholten sich diejenigen, die überlebten, überraschend gut nachdem sie am Ende des Experiment wieder ausreichend bewässert wurden. Leonie ist im letzten Jahr ihrer Dissertation und zeigte die Begeisterung, die eine Forscherin nach drei Jahren harter Arbeit in den Treibhäusern und hinter dem Computer hat, wenn endlich die ersten Resultate vorliegen und interpretiert werden können.

 

Text: Werner Eugster;  Fotos: Werner Eugster